Angefangen hat alles mit meinem Opa.
Ich bin Michael. Ich wollte die Geschichten unserer Familie für meine Kinder festhalten. Daraus wurde erst ein ziemlich großes Selbstmachprojekt – und dann lebensgeschichte.ai.
Mein Opa ist stolz auf die Geschichten der Familie Jahn. Wenn wir uns sehen, erzählt er: von dem Urlaubsort, an den er seit so vielen Jahren zurückkehrt. Davon, wie er in den Kriegsjahren mit Hunger umging. Und von seinem Geburtshaus, das sein Vater ganz allein gebaut hat – dem Haus, in dem später auch meine Familie und ich aufgewachsen sind.
Für mich fügen sich diese Erinnerungen zu einem ganzen Bild. Seit ich selbst Kinder habe, möchte ich dieses Wissen mit ihnen teilen: Woher kommen wir? Welches Stück Berlin hat mich geprägt? Und was davon tragen vielleicht auch sie in sich? Ich wollte die Geschichten festhalten, mit der Stimme und dem Charakter meines Opas.
Von der ersten Frage bis zur eigenen App.
Der Weg war voller Versuche, Umwege und kleiner Durchbrüche. Hier ist die Geschichte dahinter.
Die Suche
Ein Angebot über 30.000 Euro. Und eine wichtige Grenze.
Ich suchte nach Menschen, die Lebensgeschichten professionell aufschreiben: Ghostwriter, Biografen, Memoirenschreiber. Ein Angebot lag bei 30.000 Euro. Für das, was ich mir vorstellte, wäre es vermutlich eher eine ausgearbeitete Sammlung seiner Geschichten geworden als ein ganzes Buch.
Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht. Unsere Familiengeschichte hat für mich einen großen Wert. Trotzdem war ich nicht überzeugt, dass ich dafür diese Summe ausgeben wollte. Bei 10.000 Euro wäre mir die Entscheidung vielleicht leichter gefallen.
Dann sagte mein Opa, dass er keinen fremden Interviewer in sein Zuhause lassen würde. Damit war dieser Weg für uns ohnehin raus. Die Gespräche wollte ich selbst mit ihm führen.
Selbst anfangen
Die Fragen kamen von mir. Die Geschichten von ihm.
Ich fragte den Anbieter, wie ich die Interviews selbst gut angehen könnte. Für 500 Euro hätte ich einen Fragenkatalog kaufen können. Auch das habe ich fast in Betracht gezogen. Als ChatGPT und andere KI-Dienste aufkamen, stellte ich mir mit ihrer Hilfe einen ersten eigenen Fragenkatalog zusammen.
Damit fuhr ich nach Berlin. Ich wollte meinem Opa zuhören und mehr über sein Leben erfahren. Er begann auch selbst, seine Geschichten aufzuschreiben. Zusammen gingen wir die Fragen durch: ungefähr fünf Stunden Gespräche, verteilt auf zwei oder drei Tage. Schön, intensiv – und ziemlich anstrengend.
Fragen, zuhören und gemeinsam zurückblicken.Bereitgestelltes Foto · von Michael Die ersten Umwege
Auf den Aufnahmen hatte auch das Radio etwas zu erzählen.
Ich hatte eine Videokamera dabei, die uns gemeinsam aufnahm, und nutzte zusätzlich das iPhone. Trotzdem machte ich Fehler beim Aufnehmen. Nicht alles war so festgehalten, wie ich es später gebraucht hätte.
Bei meinem Opa lief das Radio im Hintergrund. Die automatische Transkription konnte das Radioprogramm und unser Gespräch nicht zuverlässig auseinanderhalten. Dazu kam sein kräftiges Berlinisch. Die verschiedenen KI-Transkriptionsdienste, die ich ausprobierte, kamen damit nicht gut genug zurecht.
Am Ende beauftragte ich einen professionellen Transkribenten. Ich ließ das Material in zwei Fassungen verschriftlichen: einmal mit dem Berliner Dialekt und einmal auf Hochdeutsch. Damit hatte ich endlich eine Grundlage, mit der ich weiterarbeiten konnte.
Schematische Illustration zur Aufnahme und Transkription. Vom Material zum Text
Viel Material. Viel KI. Und erst einmal ziemlich langweilige Texte.
Ich sammelte die Unterlagen, recherchierte, wie man gute Memoiren schreibt, und gab der KI die Transkripte. Dabei lernte ich schnell ihre Grenzen kennen. Die Menge an Material brachte sie an die Grenze dessen, was sie in einem Durchgang berücksichtigen konnte – ihres sogenannten Kontextfensters.
Also brauchte ich einen Prozess, um die Erinnerungen in sinnvollen Teilen zu verarbeiten und trotzdem den Überblick zu behalten. Änderte ich etwas, wurde an anderer Stelle etwas falsch oder unvollständig. Menschen, Orte, Zeiten und Ereignisse mussten verlässlicher zusammenfinden.
Und selbst wenn ein Text entstand, war er zunächst oft einfach langweilig. Die ersten Fassungen hatten wenig Charakter. Das waren die Geschichten meines Opas – aber beim Lesen kam davon viel zu wenig an.
Seinen Ton finden
Berlinisch, Flüche und eine Welt hinter den Erinnerungen.
Ich begann, mehr Hintergrund einzubeziehen. Wenn mein Opa von seiner Kindheit erzählte, schaute ich etwa darauf, wie die Welt 1936 aussah: aus seiner Perspektive, aber auch über seinen eigenen Alltag hinaus. Recherchierter Kontext machte die Erinnerungen verständlicher und die Texte interessanter.
Gleichzeitig wollte ich seine Art zu erzählen erhalten. Mein Opa redet direkt, mit einem dicken Berliner Akzent – und manchmal flucht er fast mehr, als er spricht. Ein glattgebügelter Text hätte ihm kaum entsprochen.
Ich probierte verschiedene Fassungen aus, las, verglich und suchte den passenden Ton. Wie viel Hintergrund tut einer Szene gut? Wo sollen seine eigenen Worte stehen bleiben? Wie wird daraus eine Geschichte, in der man ihn wiedererkennt?
Seine Geschichte. Sein Ton.Gemeinsam in den Unterlagen blättern.
Ein weiterer Moment aus unseren Gesprächen.Bereitgestelltes Foto · von Michael Der erste vorzeigbare Stand
Endlich eine Geschichte, die ich meinem Opa zeigen konnte.
Nach all den Versuchen war da eine erste lesbare, vorzeigbare Fassung. Die Erinnerungen hatten eine Form bekommen. Diesen Zwischenstand konnte ich meinem Opa geben – obwohl noch längst nicht alles stimmte.
Ein besonders absurder Fehler: Die KI schrieb stellenweise, als wäre mein Opa schon gestorben. Dabei lebt er und arbeitet mit mir weiter an seiner Geschichte. Für den ersten Zwischenstand ließ ich solche Fehler zunächst noch stehen. Die nächsten Aufgaben waren damit aber ziemlich deutlich.
Mein Opa am Gartentor.Bereitgestelltes Foto · von Michael Nach dem ersten Text
Was stimmt? Was fehlt? Und was mache ich als Nächstes?
Ich nutzte KI, um die Chronologie zu ordnen und Menschen, Orte, Namen und Zeitangaben aus dem Material herauszuarbeiten. Welche Angaben passen zusammen? Wo widersprechen sich Erinnerungen? Was ist noch unklar? So konnte ich die Fakten hinter dem geschriebenen Text besser sehen und prüfen.
Das half. Eine lange Liste offener Punkte machte das Überarbeiten aber noch nicht angenehm. Auch wenn die KI mir zum Beispiel hundert Hinweise zusammenstellt: Ich muss sie verstehen, Entscheidungen treffen und sicher sein, dass eine Korrektur wirklich an der richtigen Stelle ankommt.
Genau hier brauchte ich mehr Unterstützung. Ich wollte auf einen Blick begreifen, was schon trägt, wo die Geschichte noch auseinanderfällt und welcher nächste Schritt sinnvoll ist. Aus diesen Versuchen und Lernschleifen heraus begann ich, die App für diesen Prozess zu entwickeln.
Schematische Illustration · so werden offene Fragen im Prozess greifbar. Wo wir heute stehen
Mein Opa und ich sind in der zweiten Fassung.
Heute arbeite ich mit meinem Opa an der zweiten Fassung seiner Geschichte und entwickle lebensgeschichte.ai an genau diesem Weg weiter: Material sammeln, daraus einen ersten Text machen, die Fakten dahinter sichtbar halten und die Geschichte Schritt für Schritt verbessern.
Dazu gehören Lücken und Widersprüche genauso wie recherchierter Kontext, seine eigene Stimme und die passende Tonalität. Ich möchte, dass man leicht versteht, was da ist, was noch offen ist und wie man weiterkommt.
Der nächste Schritt ist, die Anwendung so weit zu bringen, dass auch jemand gut damit arbeiten kann, der sie nicht selbst erfunden hat. Wir sind in einer frühen Entwicklungsphase. Der Prozess wird an unserer eigenen Geschichte erprobt und weiter verfeinert.
Mein Opa bei Kaffee und Kuchen.Bereitgestelltes Foto · von Michael
Du bringst die Erinnerungen. Die App soll dir den Weg leichter machen.
Ich möchte die Erfahrung, die ich mir mühsam zusammengesucht habe, in eine verständliche Begleitung verwandeln. Damit mehr Familien aus ihrem vorhandenen Material eine Geschichte machen können, die sie gern lesen und weitergeben.
Mit dem anfangen, was da ist.
Fotos, Videos, Stimme und Notizen sammeln – auch wenn noch nicht alles beisammen ist.
Eine erste Geschichte bekommen.
Material ordnen und in einen zusammenhängenden, lesbaren Entwurf verwandeln.
Klar sehen, was noch offen ist.
Lücken, Widersprüche und Unsicherheiten verstehen und den nächsten Schritt finden.
Gemeinsam den Ton treffen.
Kontext, Originalzitate, Sprache und Bilder verfeinern, bis die Geschichte für dich stimmt.
So soll es sich anfühlen: Du sammelst Fotos, Videos, Sprachaufnahmen und Notizen. Die App hilft beim Ordnen und Schreiben, zeigt offene Fragen und ergänzt passenden, nachvollziehbaren Hintergrund. Du erkennst, wo du noch etwas beitragen kannst, und bekommst einen überschaubaren nächsten Schritt.
Dann verfeinert ihr die Geschichte: mehr oder weniger Kontext, der richtige Ton, Originalzitate, Bilder und Visualisierungen. So lange, bis du sagst: Jetzt fühlt es sich richtig an.
Die Freude am Zuhören und Erinnern darf bleiben. Die technische und redaktionelle Kleinarbeit soll leichter werden. Daran arbeite ich mit lebensgeschichte.ai – aus einem sehr persönlichen Grund und mit unserer eigenen Geschichte als Ausgangspunkt.
Die Geschichten sind schon da.
Wir machen den Weg zum Erzählen leichter.
Wie möchtest du dabei sein?
Warte auf den fertigen Service – oder arbeite schon jetzt mit mir an deiner Lebensgeschichte.